Jona und seine Gebete
Wenn Gott mit einem Augenzwinkern korrigiert
Es gibt Momente im Leben, in denen wir Gott aus tiefster Not anrufen – und er rettet uns.
Genau so erlebte es Jona. Im Bauch des Fisches schrie er zu Gott, voller Angst, voller Sehnsucht.
Und Gott hörte ihn.
Als Jona wieder festen Boden unter den Füssen hatte, brach aus ihm ein Gebet der Dankbarkeit hervor.
Befreiung macht demütig. Er betete u. a. den Satz: Du hast mich vom sicheren Tod errettet. Und mir das Leben neu geschenkt.
Die schleichende Veränderung
Der von Gott auserwählte Jona nimmt nun den Auftrag, nach Ninive zu gehen sehr ernst - und geht.
Seine Botschaft zeigt sogar Wirkung. Aber allmählich veränderte sich Jonas Ton in seinen Gebeten zu Gott.
Nach all der Mühe und der Hitze, der Jona ausgesetzt war verschwand das
Lob. Keine Freude mehr und keine Dankbarkeit.
Stattdessen Frust. Und sogar Ärger darüber, dass Gott so barmherzig ist.
Er betete in seinem Missmut zu Gott: Deine Geduld ist gross, deine Liebe ist grenzenlos. Du lässt dich umstimmen und bestrafst dann doch nicht!"
Vom Geretteten zum Besserwisser
Viele Christen kennen diese schleichende Veränderung nur zu gut.
Sie wurden gerettet. Lernten den Glauben an Gott kennen. Vielleicht in gute, christliche Familien hineingeboren. Oder sie entdeckten die Frohe Botschaft auf Umwegen, oder durch irgendwelche Umstände, welche eventuell zuerst leidvoll waren.
Sie freuten sich darüber.
Sie sind dankbar.
Sie hören den Auftrag von Jesus, die Gute Nachricht weiterzugeben. Sie wollen dies auch gerne tun.
Doch mit der Zeit schleicht sich etwas ein, das nicht von Gott kommt:
Druck. Stress. Falsche Erwartungen. Stolz. Arroganz. Besserwisserei.
Manche fühlen sich alleine, oder mit nur ein paar Wenigen auf der „richtigen Seite“ und sehen alle anderen auf der „falschen Seite“.
(Jona sah am Schluss nur noch sich selbst. Die 120'000 Menschen aus Ninive nahm er nicht als von Gott geliebte Geschöpfe wahr.
Viele Christen reden von Verdammnis, als wäre sie ein Triumph.
Doch Gott sieht das – und manchmal schüttelt er wohl einfach nur den Kopf.
Vielleicht so wie bei Jona.
Gottes Augenzwinkern
Gott liess einen Strauch wachsen, der Jona Schatten spendete.
Ein kleines, liebevolles Zeichen.
Nicht weil Jona es verdient hätte.
Sondern weil Gott gut ist.
Und genau dort bricht Jonas Wut hervor.
Keine Freude über den Schatten.
Sondern Wut über Gottes Barmherzigkeit.
Er konnte nicht ertragen, dass Gott sich über Menschen erbarmte, die aus seiner Sicht „selber schuld“ waren.
Er sah ihren Wert als Geschöpfe Gottes nicht. (Was bei den Menschen in den Geschichten des sogenannten Alten Testamentes häufig vorkam)
Jona sah auch ihre Einsicht und Busse nicht.
Oder wollte er sie nicht sehen?
Wo stehen wir?
Unendliche Barmherzigkeit Gottes – glauben wir wirklich daran? Glauben wir an die Frohe Botschaft vom Neuen Testament? Von Jesus? Von Paulus?
Unsere Botschaft – was verkündigen wir? "Alttestamentliche Gesetzlichkeit", oder Neutestamentliche Gnade und Liebe, die allen Menschen gilt?
Unser Herz – ist es weich genug, um Gottes Liebe zu spiegeln?
Vielleicht lädt Gott uns heute ein – wie Jona, unter dem Schatten des Strauchs zur Ruhe zu kommen.
Sanft.
Mit einem Augenzwinkern. Damit wir wieder lernen, was unsere eigentliche Botschaft ist:
Eine Botschaft der HOFFNUNG. Und von einem Gott, der sich freut, wenn Menschen glücklich sind.