48)Aufgeblüht - nicht Abgebaut
Wenn Glaube nicht zerbricht, sondern aufblüht
Es gibt Worte, die klingen schwer. „Dekonstruktion“ ist so eines. Ein Begriff, der nach Abbrucharbeiten riecht, nach Staub, nach dem Einsturz eines vertrauten Hauses. Und doch wird er heute oft verwendet, um Menschen zu beschreiben, die ihren Glauben neu entdecken – Menschen wie mich.
Persönliche Erfahrung - Niemand hat sich seine Wiege selbst ausgesucht
Ich bin in einem Glauben aufgewachsen, der viel Gutes hatte. Er gab mir Halt, Orientierung und ein Zuhause. Gleichzeitig war er eng. Es gab klare Vorstellungen darüber, was richtig und falsch sei – in Kleidung, Musik, Lebensstil. Und über allem schwebte eine Lehre, die Angst machte: die Vorstellung einer ewigen Höllenstrafe.
Befreiung in Schritten
Mit den Jahren begann etwas in mir zu wachsen. Nicht ein Bruch, nicht ein Abreissen, sondern ein leises, inneres Aufblühen. Ich lernte neue Perspektiven kennen, neue Wege, die Bibel zu lesen, neue Stimmen, die von Gottes Liebe sprachen, nicht von seiner Drohung. Und langsam verwandelte sich mein Glaube. Er wurde weiter, tiefer, hoffnungsvoller.
Viele nennen diesen Prozess „Dekonstruktion“. Doch für mich fühlt es sich anders an. Nicht wie ein Abtragen, sondern wie ein Durchatmen. Nicht wie ein Verlust, sondern wie ein Finden. Nicht wie ein Ende, sondern wie ein Anfang.
Vielleicht ist es eher Reifung. Oder Befreiung. Oder einfach: Gnade.
Denn was in mir gewachsen ist nennt sich Hoffnung. Eine Hoffnung, die nicht auf Angst baut, sondern auf Vertrauen. Eine Hoffnung, die nicht mit Drohung arbeitet, sondern mit liebender Zuwendung. Eine Hoffnung, die mich befähigt, anderen Mut zu machen – weil ich selbst erfahren habe, wie befreiend Gottes Liebe sein kann.
Jesus sagt:
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben.“
(Joh 10,10)
Fülle - Nicht Enge. Leben - Nicht Angst.
Nicht "Dekonstruktion" - Aufblühen ist das Resultat
Vielleicht ist das die eigentliche Bewegung, die viele von uns erleben: Wir verlassen nicht den Glauben. Wir verlassen nur die Angst. Und wir entdecken den Gott, der größer ist als einige unserer früheren Vorstellungen und Prägungen. Und wir haben - oder sind daran - mit biblischer Begründung - DEN liebenden Vater kennenzulernen! Jesus hat ihn uns gezeigt. In seinem Vorbild. Seinen Gleichnissen. Seinem Erlösungswerk.
Darum möchte ich das Wort „Dekonstruktion“ nicht über mich schreiben lassen. Mein Weg war kein Abbruch. Er ist ein Aufbruch!
Und heute bin ich ein Hoffnungsmensch. Nicht, weil ich alles wüsste, oder gar, dass es mir immer gut ginge. Sondern weil ich mich gehalten weiss. Weil ich dem vertraue, der mich ins Weite führt und mich Tag für Tag am Leben teilhaben lässt.
Diese Hoffnung möchte ich als Evangelium (Gute Nachricht) teilen.