33)Vorgeschmack
Römer 8 - ein Bibelabschnitt der Hoffnung
Das Seufzen der Welt – und unser Platz darin
Die Welt trägt ein leises - manchmal auch lautes - Seufzen in sich. Man spürt es im Alltag. Den bedrückenden Nachrichten, in den Fragen der Menschen, in den eigenen inneren Spannungen. Paulus beschreibt dieses Seufzen in Römer 8 als eine Sehnsucht, ein Warten, ein Hoffen, ein tiefes Wissen.
Die Schöpfung sehnt sich nach Erlösung (Röm 8,19–22).
Die Menschheit sehnt sich nach dem Guten, dem Positiven, der Ganzheit, der Geborgenheit.
Und wir Christen – die Glaubenden, die Suchenden, die Kinder Gottes – seufzen mit, weil wir nach (Röm 8,23) die „Erstlingsgabe des Geistes“ in uns tragen
Wir tragen in uns den Vorgeschmack auf das, was Gott mit allen vorhat.
Auserwählt – nicht als Elite, sondern als Einladung
Paulus spricht davon, dass wir „vorherbestimmt sind, dem Bild seines Sohnes gleich zu werden“ (Röm 8,29).
Das ist kein Druck, sondern eine Identität.
Keine Auszeichnung, die uns über andere stellt, sondern ein Auftrag "daran zu arbeiten".
Wir sind auserwählt, nicht um uns abzugrenzen, sondern um sichtbar zu machen, wie Gottes Zukunft aussieht.
Wir sind nach (Röm 8,23) die Erstlinge – die ersten Früchte, die zeigen, was die ganze Ernte einmal sein wird .
Jesusähnlichkeit als Lebensform der Hoffnung
Jesusähnlichkeit bedeutet nicht Perfektion.
Es bedeutet, dass unser Leben Spuren trägt, die an ihn erinnern – Spuren, die "aus dem Geist kommen, der uns führt" (Röm 8,14). Jesus ist unser Vorbild.
Licht, das nicht blendet, sondern wärmt.
Liebe, die nicht mit Rückzahlung rechnet, sondern selbstlos trägt.
Frieden, der nicht naiv ist, sondern mutig.
Vergebung, die nicht einfach nur vergisst, sondern mich und meine Mitmenschen befreit von Schuld.
Wenn wir in dieser Haltung leben, kann etwas sichtbar werden von der kommenden Welt Gottes – mitten in dieser Welt. Bei aller menschlichen Unvollkommenheit.
Hoffnung prägt – und verändert die Atmosphäre
Unsere Aufgabe ist, die Welt, in der wir leben, mit Hoffnung zu prägen.
Nicht mit einer oberflächlichen Hoffnung, die aus uns selbst kommt. Sondern mit einer Hoffnung, die aus dem Geist Gottes kommt (Röm 8,24–25).
Diese Hoffnung kann sich zeigen:
-im Zuhören und Anteil nehmen, anstatt zu verurteilen
-im Aufrichten und hinsehen, anstatt wegzusehen
-im Friedenstiften, statt Grenzen zu ziehen
-im Mut, wo andere resignieren
-im grosszügigen Geben, anstatt alles zu horten
So kann unser Leben zu einem stillen, aber deutlichen Hinweis werden:
Gott ist noch nicht fertig mit dieser Welt; die Sehnsucht wird einmal ganz gestillt werden (Röm 8,21).
Was Glaubende (nicht) sind
Wir sind nicht die Vollendeten.
Wir sind der Anfang.
Wir sind nicht die Auserwählten statt der Welt.
Wir sind die Auserwählten für die Welt.
Die Anderen (Nichtglaubenden) sind nicht einfach draussen, weil wir uns drinnen wissen.
Gott hat uns berufen, Hoffnungsträger zu sein – kleine Abbilder dessen, was er mit allen Geschöpfen vorhat (Röm 8,29–30).
Und vielleicht ist das die schönste Aufgabe, die ein Mensch bekommen kann:
ein Vorgeschmack auf Gottes Zukunft zu sein.