53)Aussicht
Andacht zu Römer 8,31–39
Aus der Perspektive der dankbaren Erwählten – und der hoffenden Allversöhnung
Ein neuer Blick entsteht
Römer 8 ist wie ein Aufstieg auf einen Berg.
Unten im Tal (beschrieben in den vorausgehenden Kapiteln) standen die Zweifelnden:
Menschen, die spürten, wie brüchig ihr Glaube ist,
wie widersprüchlich ihr Inneres,
wie stark die Kräfte, die sie von Gott wegziehen.
Paulus führt sie – und uns – Schritt für Schritt hinauf:
vom Seufzen der Schöpfung
über das Seufzen des Geistes
bis hin zur Gewissheit, dass Gott selbst für uns eintritt.
Und oben, auf dem Gipfel, öffnet sich der Blick.
Nicht mehr nur auf uns selbst,
sondern auf den Gott, der ruft, trägt, vollendet.
„Wenn Gott für uns ist – wer kann gegen uns sein?“
Paulus stellt nicht nur eine Frage.
Er öffnet damit einen Raum.
Er sagt:
Schaut nicht länger auf eure Schwäche.
Schaut auf den, der euch erwählt hat.
Nicht weil ihr stark seid,
sondern weil seine Liebe stärker ist als alles, was euch bedroht.
Die Erwählung von Glaubenden ist ein Privileg, ein Ruf in die Freiheit.
Ein Ruf, der nicht trennt, sondern verbindet.
Erwählt – aber nicht abgehoben
Wer jetzt schon glaubt,
wer die Liebe Christi erkannt hat,
ist ein Herausgerufener.
Aber nicht herausgerufen aus der Welt,
sondern herausgerufen für die Welt.
Nicht zum Hochmut,
sondern zur Dankbarkeit.
Nicht zur Abgrenzung,
sondern zur Liebe.
Denn der Glaubende weiß:
Ich stehe nicht hier, weil ich besser bin, sondern weil Gott mich gefunden hat.
Und derselbe Gott, der mich gefunden hat, wird auch die finden, die heute noch nicht glauben.
Jene die zweifeln, die fliehen, die kämpfen, die sich selbst verloren haben.
Gottes Liebe ist stärker als unser Nein
Paulus zählt vieles auf, was Menschen von Gott zu trennen scheint:
Tod
Leben
Mächte
Gegenwärtiges
Zukünftiges
Höhen
Tiefen
Er nennt die ganze Palette menschlicher Angst.
Und dann sagt er: Nichts davon hat das letzte Wort.
Aus allversöhnender Sicht wird hier sichtbar:
Wenn nichts trennen kann, dann auch nicht Unglaube.
Gottes Liebe ist nicht nur ein Angebot. Sie ist auch eine Kraft, die heilt, die sucht, die verwandelt, die vollendet.
Die Gläubigen
Die Glaubenden sind nicht die „Geretteten“ im Gegensatz zu den „Verlorenen“.
Sie sind die Erstlinge – diejenigen, die jetzt schon sehen, was letztendlich Gott mit allen Menschen tun wird.
Sie sind diejenigen, die schon heute schmecken und erleben wie gut Gott ist.
Sie sind nicht zu Richtern, sondern als Boten berufen.
Nicht als Überlegene, sondern als Dienende.
Nicht als Besitzer der Wahrheit, sondern als Menschen, die von der Wahrheit gehalten werden.
Dankbarkeit statt Arroganz
Wenn ein Mensch wirklich versteht, dass Gott ihn erwählt hat, dann kann er nicht stolz werden.
Denn Erwählung ist kein Verdienst, sondern Gnade und Geschenk.
Und wer Gnade erfahren hat, wird gütig.
Wer Liebe erfahren hat, wird liebevoll.
Wer Vergebung erfahren hat, wird barmherzig.
Die Erwählten sind nicht die, die oben stehen.
Sie sind die, die wissen, dass sie getragen werden.
Schlussgedanke
Die Liebe, die alles vollendet, wie in Römer 8 beschrieben, endet nicht mit einem Appell,
sondern mit einer Verheißung:
Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist.
Diese Liebe ist nicht nur für die Glaubenden da.
Sie ist das Fundament der ganzen Schöpfung.
Sie ist das Licht, das in jede Finsternis scheint.
Sie ist das Feuer, das reinigt und nicht Menschen zerstört, sondern das Böse und Leidvolle.
Sie ist die Kraft, die am Ende alle heimbringt.
Und diejenigen, welche jetzt schon glauben, dürfen heute schon erleben,
was alle einmal erfahren werden:
Gott ist für uns.
Gott ist mit uns.
Gott wird uns vollenden.
Und niemand bleibt letztendlich zurück.