65)Kleines und Grosses
Treue im Kleinen – Weite im Großen
Lukas gibt in seinem Evangelium in Luk. 16,10 folgende Aussage von Jesus wieder:
„Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu.“
Verschiedene Ausleger deuten „das Kleine“ als die irdischen, materiellen Dinge: Geld, Besitz, Macht, Verantwortung – und auch Zeit.
Das „Große“ hingegen ist die Seele, die Mitmenschen, das Leben, und Gott selbst.
Diese Deutung trifft eine tiefe Wahrheit:
Das Kleine ist das Sichtbare, das Greifbare.
Das Große ist das Ewige, das Leben, das Tragende.
Das Kleine
Wir wünschen uns oft das Große zu tun.
Doch Jesus spricht hier das Kleine an. Das Alltägliche. – Dort, wo wir tägliche Entscheidungen zu treffen haben.
Wie gehe ich mit meinem Geld um?
Wie spreche ich über andere?
Wie nutze ich meine Zeit?
Wie trage ich Verantwortung – auch wenn niemand zuschaut?
Das Kleine ist der Ort, an dem sich unser Charakter zeigt und geformt wird.
Treue im Kleinen bedeutet nicht Perfektion, sondern Achtsamkeit:
Ich nehme ernst, was mir anvertraut ist – auch wenn es unscheinbar wirkt.
Das Große
Es wächst im Kleinen.
Wenn wir im Kleinen treu sind, öffnet sich das Große:
Die eigene Seele wird weit und ruhig.
Gott findet in uns einen Ort, an dem er wohnen kann.
Die positive Athmosphäre in uns wirkt sich nach aussen aus. Sie ist echt.
Treue im Kleinen ist wie das Stimmen eines Musikinstrumentes.
(ungestimmte Musikinstrumente klingen falsch, auch wenn richtig gespielt wird)
Keine Zweiteilung
Geistliches Leben und Alltag gehören zusammen
Wir Menschen neigen dazu, das geistliche Leben vom Alltagsleben zu trennen.
Manchmal sogar radikal. Beispiele:
-Evangelikal: Hauptsache bekehrt, oder Konfirmiert ec.
-Katholisch: Hauptsache getauft, gefirmt, ec.
-Sekten: genau so und nicht anders
Doch Jesus sprengt diesen "Dualismus".
Er zeigt: Das Geistliche beginnt nicht im Gottesdienst, sondern im Alltag.
Nicht im Sakrament, sondern z. B. im Umgang mit Geld, Zeit und Macht.
Nicht in religiösen Handlungen, sondern im Umgang mit Menschen.
Nicht im großen geistlichen Erlebnis, sondern in der kleinen Entscheidung, treu zu sein.
Das Kleine und das Große gehören zusammen wie Wurzel und Baum.
Wer im Alltag treu ist, dessen geistliches Leben bekommt Tiefe.
Wer im Alltag untreu ist, dessen geistliches Leben bleibt "hohl", leer und langweilig.
In derTreue im Kleinen beginnt die gelebte Spiritualität.
Ein kleiner Blick auf das kommende Gericht
Das Gericht Gottes ist kein "Schrecken", sondern eine "Wiederherstellung".
Es ist der Moment, in dem Gott zeigt, was wirklich war – und was wirklich zählt.
Und dort wird sichtbar werden, wie wir z. B.:
-mit Geld umgegangen sind
-mit unserer Zeit umgegangen sind
-Verantwortung getragen haben
-Menschen behandelt haben,
-Gott gesucht haben.
Diese Dinge kommen ans Licht. Einiges wird uns beschämen. Anderes wird uns ehren.
Gott sieht die kleinen Schritte, die vielleicht niemand gesehen hat:
-das stille Gebet
-die kleine Hilfeleistung
-die Treue im Alltag
-die Geduld mit Menschen
-die Hingabe in scheinbar unbedeutenden Aufgaben
Im Licht Gottes wird das Kleine groß.
Wahrheit, Gerechtigkeit, Allversöhnung
Die Allversöhnung – verstanden als die große Hoffnung, dass Gott am Ende alles zurecht- und heimbringt – ist kein billiger Trost.
Sie ist die Vision eines liebenden Gottes, der keines seiner Geschöpfe aufgibt. Vom gerechten Gott, der durch das Gericht hindurch heilt, der alles ans Licht bringt, um alles zu erneuern.
Das Gericht ist der Ort der Wahrheit und Gerechtigkeit.
Die Allversöhnung ist der Ort der Liebe.
Und wir dürfen uns darauf freuen, dass Gott im Gericht nicht nur unsere Fehler sieht, sondern auch unsere Treue im Kleinen.
Vielleicht wird er sagen:
„Ich habe gesehen, wie du mit dem Kleinen umgegangen bist.
Darum vertraue ich dir das Große an.“
Schlussgedanke
Treue im Kleinen ist der Weg ins Große.