6)Zuviel des Guten?
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Andacht zu: Lukas 4,16–30
Jesus in seiner Heimatstadt
Hier ist er aufgewachsen. Man kennt seine Familie, weiss, was sein Vater arbeitete usw.
Hierher kehrt Jesus nach einiger Zeit zurück. Er hat schon eine gewisse "Berühmtheit"
Jesus geht in die örtliche Synagoge. So wie er es schon früher getan hatte, als er noch bei seiner Familie wohnte.
Er liest aus Jesaja 61, verkündet Befreiung, Heilung und Gnade.
Doch nur kurze Zeit später kippt die Stimmung. Was war geschehen?
Nicht erfüllte Erwartungen
Begeisterung schlägt in Ablehnung um.
Zunächst herrscht Freude und Begeisterung über Jesu Worte (V. 22): Seine Auslegung klingt wie Musik in den Ohren: Gnade, Heilung, Befreiung. Die Zuhörer staunen über die „Worte der Gnade“.
Der Wendepunkt (V. 23–27): Jesus erinnert an Elija und Elisa, die Gottes Heil nicht nur Israel, sondern auch Heiden brachten – die Witwe in Sarepta und den syrischen Naaman. Damit sprengt er die Erwartungen seiner Zuhörer.
Die Reaktion (V. 28–29): Aus Zustimmung wird Zorn. Die Menschen wollen ihn vertreiben, ja sogar töten. Der Auslöser: Jesu Botschaft von einer Gnade, die nicht exklusiv ist, sondern allumfassend.
Zuviel des Guten?
Damals war es „zuviel des Guten“, dass Gottes Heil auch den Heiden galt. Heute ist es für manche „zuviel des Guten“, dass Gottes Gnade wirklich alle umfasst – auch jene, die nicht als "richtig gläubig" gelten.
Damals: „Nur wir, nur Israel.“
Heute: „Nur die Richtigen, nur die Frommen, nur die, die glauben wie wir.“
Doch Jesu Botschaft bleibt: Gottes Gnade sprengt Grenzen. Sie gilt auch den aus Sicht der Frommen „Falschen“, den „Außenseitern“, den „Heiden“.
Brücke zu heute
Nicht wenige gläubigen Menschen tun sich schwer mit der Vorstellung einer allversöhnenden Gnade. Sie fürchten, dass „zu viel Gnade“ die Ordnung zerstört, dass Menschen „billig davonkommen“. Doch vieles in der Bibel aufgeschriebene zeigt: Gottes Gnade ist größer als unsere Kategorien. Sie ist nicht billig, sondern unendlich kostbar – und gerade deshalb unbegrenzt.
Schlussgedanken
Jesu Worte, sein Vorbild und seine Handlungen sind Einladung, nicht Bedrohung. Sie öffnen Türen, wo wir Mauern bauen. Sie schenken Hoffnung, wo wir Grenzen ziehen.
Lassen wir unsere Grenzen von Gottes Gnade erweitern - ja, sogar sprengen – oder verteidigen wir unsere Grenzen, nach unseren Vorstellungen?
Paulus dazu: „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen.“ (Titus 2,11)