36)Hoffnungsträger
Die Herausgerufenen – Hoffnungsträger einer erlösten Schöpfung
Die radikalen Aussagen von Jesus in: Lukas 9,57–62
Jesus hat drei kurze Begegnungen mit 3 unterschiedlichen Menschen.
Er gibt drei unterschiedliche Antworten.
Erster Mann: Er sagt, er wolle Jesus überallhin folgen. Jesus antwortet, dass Nachfolge oftmals Verzicht bedeutet – sogar auf grundlegende Sicherheiten. Heisst: keinen Komfort mehr.
Zweiter Mann: Jesus ruft ihn direkt zur Nachfolge, doch der Mann möchte zuerst seinen Vater begraben. Heisst: warten, bis dieser nicht mehr lebt. Jesus betont, dass das Reich Gottes Vorrang hat.
Dritter Mann: Er will Jesus folgen, aber vorher noch Abschied nehmen. Heisst: Alles regeln und das einverständnis der Familie einholen. Jesus sagt, dass niemand, der zurückschaut, für das Reich Gottes tauglich ist.
In diesen nicht leicht zu verstehenden Szenen steckt ein Geheimnis.
Dieses Geheimnis entfaltet später Paulus - welcher einen grossen Teil des biblischen Neuen Testaments geschrieben hat in seinen Briefen wunderbar.
Seine Lehre geht folgendermassen:
Gott ruft Menschen heraus – nicht um andere auszuschließen, sondern um Hoffnung in die Welt zu tragen.
Genau dies hat auch Jesus in seinem Erdenleben getan. Er forderte Menschen zur Nachfolge auf.
Keine Verurteilung
Jesus sieht bei diesen drei Männern die Mischung aus Sehnsucht, Pflichtgefühl und Zögern.
Und er ruft sie trotzdem.
Paulus würde später sagen und schreiben:
Das ist der Ruf Gottes, der Menschen „herausnimmt“ aus dem alten Leben, um sie zu senden. Um sie als Beispiel für die Zukunft Hoffnungsträger sein zu lassen.
Die Herausgerufenen:
-sind nicht die Besseren, sondern die Gerufenen, die Vorherbestimmten.
Paulus beschreibt die christliche Gemeinde als:
-„Erstlingsgabe“ der neuen Schöpfung (Röm 8,23)
-"Auserwählte“ (Eph 1,4)
-„Vorherbestimmten zur Sohnschaft“ (Eph 1,5)
-ekklesia (Kirche) – wörtlich: die Herausgerufenen
Aber Paulus meint damit nicht eine Elite.
Er meint Menschen, die Gottes Ruf gehört haben – so widersprüchlich und unvollkommen sie auch sind.
Menschen wie die drei aus Lukas 9.
Idealisten, Pflichtmenschen, Zögernde.
Menschen mit gemischten und geteilten Herzen.
Menschen wie wir.
Vorherbestimmung – nicht zur Abgrenzung, sondern als Hoffnungsträger
Paulus versteht Vorherbestimmung nicht als Schicksal, das andere ausschließt.
Sondern als Berufung zu einem Dienst:
-„Damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit seien.“ (Eph 1,12)
Die Herausgerufenen sind nicht die einzigen, die Gott liebt.
Sie sind die ersten, die es hören und annehmen.
Die ersten, die es leben wollen. Die ersten, die lebendige und ewige Hoffnung verkörpern.
Wie die Erstlingsfrucht im Alten Testament.
Ein kleiner Teil, der auf die ganze Ernte hinweist.
Die anderen sind nicht für immer verloren
– sie sind die, für die die "Erstlinge" da sind.
Für Paulus ist klar:
-„Gott will, dass alle Menschen gerettet werden.“ (1 Tim 2,4)
-„Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht.“ (1 Kor 15,22)
-„Die ganze Schöpfung wird frei werden.“ (Röm 8,21)
Die Herausgerufenen sind nicht die allein Geretteten.
Sie sind die zuerst Geretteten.
Sie sind die, die schon jetzt erleben, was einmal alle erfahren werden:
-Freiheit
-Versöhnung
-Hoffnung
-Vergebung
Die Gemeinde – Hoffnungsträger bis Christus wiederkommt
Paulus sieht die Gemeinde als:
-Licht in der Welt (Phil 2,15)
-Botschafter der Versöhnung (2 Kor 5,20)
-Tempel des Heiligen Geistes (1 Kor 3,16)
-Erstlingsgabe der neuen Schöpfung (Röm 8,23)
Die Gemeinde ist nicht perfekt. Aber sie ist berufen.
Berufen, das Reich Gottes sichtbar zu machen – mitten in einer Welt, die noch verloren seufzt und stöhnt.
Berufen, Hoffnung zu verkörpern – bis Christus wiederkommt und vollendet, was die ganze Schöpfung ersehnt.
Ein hoffnungsvoller Schlussgedanke
Jesus ruft Menschen, die widersprüchlich sind.
Paulus nennt sie Auserwählte.
Die Welt nennt sie manchmal verrückt, dumm, oder Träumer.
Gott nennt sie: meine Erstlinge.
Nicht, weil sie besser wären.
Sondern weil sie zuerst hören durften, was einmal alle hören werden:
Dass Christus die ganze Schöpfung erlöst.
Und bis dahin sind die Herausgerufenen leuchtende Fenster zu einer kommenden Welt.
Gebet
Gott, du rufst Menschen heraus, lange bevor sie bereit sind.
Du siehst unsere Mischung aus Mut und Angst, aus Sehnsucht und Zögern.
Danke, dass du uns nicht erwählst, um andere auszuschließen,
sondern um Hoffnung zu tragen in eine wartende und seufzende Welt.
zu Menschen, die dein Licht widerspiegeln,
bis Christus wiederkommt und alles vollendet.
Amen.