Gottes Reich
Das Reich Gottes, das schon angebrochen ist
Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch - Es sind einige von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes in Kraft haben kommen sehen. (Markus 9.1)
Wenn Jesus hier sagt, dass einige seiner Jünger das Reich Gottes „mit Macht kommen sehen“ werden, spricht er nicht von einem fernen Weltende. Er spricht vom Beginn einer neuen Wirklichkeit, die mitten in der alten Welt aufleuchtet. Die Jünger sollten erleben, wie Gottes heilende Herrschaft sichtbar wird: in der Verklärung, der Auferstehung, Pfingsten und der wachsenden Jesusbewegung.
Das Reich Gottes ist kein Ort, sondern Gottes Liebe, die Gestalt annimmt. Es ist Gottes Art, die Welt zu erneuern – nicht durch Gewalt, sondern durch Liebe, Barmherzigkeit und Versöhnung.
In einer allversöhnenden Perspektive ist das Reich Gottes auf dieser Welt, der Beginn jener umfassenden Heilung und Wiederherstellung, die Gott mit der ganzen Schöpfung vorhat.
Das Reich Gottes beginnt im Kleinen – und hat die Kraft, die Welt zu verändern
Jesus beschreibt das Reich Gottes wie ein Senfkorn: klein, unscheinbar, aber voller Lebenskraft. Und genau so ist es geschehen. Was mit ein paar Fischerfamilien in Galiläa begann, hat die Weltgeschichte tief geprägt.
Über Jahrhunderte wuchs aus Jesu Botschaft eine Bewegung, die – trotz aller menschlichen Fehler – unzählige gute Früchte hervorgebracht hat.
Diese Früchte sind - um nur einige zu nennen:
-Menschenwürde und Humanismus
Die Überzeugung, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist, weil er Gottes Ebenbild in sich trägt, wurde zum Fundament der Menschenrechte, der Abschaffung der Sklaverei und der modernen humanistischen Ethik.
-Soziale Verantwortung und Gemeinwesen
Die ersten Christen organisierten Armenfürsorge, Krankenpflege und Unterstützung für Alte und Waisen. Daraus entwickelten sich später:
-Sozialversicherungen
-Altersvorsorge
-moderne Wohlfahrtssysteme
-Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
Die biblische Idee, dass Macht begrenzt und Rechenschaft schuldig ist, prägte das Denken über Freiheit, Verantwortung und Gleichheit.
-Kunst, Musik und Bildung
Aus dem Glauben an einen guten, schöpferischen Gott entstanden:
-Musikalische Werke
-Bilder
-künstlerische Werke aller Art
-Alphabetisierungen vieler Völker
-Universitäten und Schulen
-Globale Solidarität
Christliche Bewegungen gehörten zu den ersten, die Hospitäler bauten, Hungersnöte bekämpften und internationale Hilfswerke gründeten. Die Idee: Liebe überschreitet Grenzen.
All das sind sichtbare Spuren des Reiches Gottes – kleine und grosse Lichter, die die Welt heller machen.
Das Reich Gottes ist da – und doch noch nicht vollendet
Jesus wusste, dass die Welt weiterhin von Egoismus, Ungerechtigkeit und Leid geprägt bleibt. Darum ruft er seine Nachfolger dazu auf, nicht dem vergänglichen Reichtum zu dienen, sondern das Reich Gottes sichtbar zu machen.
Das bedeutet:
-Barmherzigkeit statt Gleichgültigkeit
-Großzügigkeit statt Gier
-Wahrheit statt Manipulation und Heuchelei
-Versöhnung statt Feindschaft
-Mut statt Angst
-Hoffnung statt Resignation
Das Reich Gottes wächst leise, aber unaufhaltsam. Jeder Akt der Güte ist ein Vorgeschmack auf die kommende Welt.
Allversöhnende Hoffnung: Wohin das Reich Gottes führt
In einer allversöhnenden Sicht ist Mk 9,1 ein Versprechen:
Was die Jünger damals sahen, war nur der Anfang.
Das Reich Gottes ist:
-ein Same, der die ganze Erde durchdringt
-ein Licht, das die Finsternis nicht auslöschen kann
-eine Kraft, die am Ende alles heilt
-eine Liebe, die niemanden zurücklässt
Gottes Ziel ist nicht die Vernichtung der Welt, sondern ihre Erneuerung. Nicht die Verurteilung der Menschen, sondern ihre Heilung. Nicht die Trennung, sondern die Versöhnung aller Dinge.
Unser Auftrag heute
Jesu Worte erinnern uns daran, dass wir Mitgestalter dieses Reiches sind. Nicht aus eigener Kraft, sondern als Menschen, die sich von Gottes Liebe bewegen lassen.
Wir sind eingeladen, in einer unvollkommenen Welt Zeichen der kommenden Welt zu setzen:
-indem wir Frieden stiften
-indem wir gerecht handeln
-indem wir großzügig teilen
-indem wir Menschen aufrichten
-indem wir Hoffnung säen
So wird das Reich Gottes sichtbar – mitten im Alltag, mitten in unserer Welt, mitten in uns.