25)Selbstbeschränkung

Die heilsame Selbstbeschränkung Jesu

Selbstbeschränkung als Ausdruck göttlicher Freiheit
In der Bibel wird Jesus unter anderem als Mensch beschrieben, der sich freiwillig beschränkt. Dies nicht aus Angst oder religiösem Druck, sondern aus Liebe und als Vorbild.

In Philipper 2.5-8 schreibt Paulus dazu:
Nehmt euch Jesus Christus zum Vorbild: Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir. Er erniedrigte sich selbst noch tiefer und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz.

Jesu Selbstbeschränkung ist kein Verlust, sondern ein Akt souveräner Freiheit.
Er verzichtet, um die Menscheit zu erlösen und ihnen eine lebendige Zukunftshoffnung zu ermöglichen.

Wenn Selbstbeschränkung krank macht
In manchen christlichen Kontexten begegnet man aber einer Form von Selbstbeschränkung, die nicht mehr aus Freiheit kommt, sondern aus Furcht:

Angst, Fehler zu machen

Angst, Gott zu enttäuschen

Angst, nicht „geistlich genug“ zu wirken

Angst vor dem Urteil anderer

Diese Form der Selbstbegrenzung führt zu Enge, Kontrolle und Schuldgefühlen.
Und oft wird diese Angst sogar weitergegeben.

Doch Angst ist nie ein guter Ratgeber. Sie verunsichert und macht mutlos.
„Furcht ist nicht in der Liebe“ (1 Joh 4,18).

Jesus zeigt den Gegenweg
Jesu Selbstbeschränkung ist immer menschenfreundlich, hoffnungsvoll und befreiend.
Er verzichtet nicht, um Menschen klein zu machen, sondern um sie groß zu machen.

Er verzichtet auf Macht, um zu dienen.

Er verzichtet auf Anklage, um aufzurichten.

Er verzichtet auf Gewalt, um Frieden zu bringen.

Er verzichtet auf Privilegien, um Nähe zu schaffen.

Seine Selbstbeschränkung ist heilsam, nie manipulativ oder moralisch erdrückend.

Für Christen, die an die lebendige Hoffnung glauben
Wer glaubt, dass Christus letztendlich wirklich alle versöhnt, erkennt die Größe seiner freiwilligen Begrenzung:

Er verzichtet auf das Recht zu richten – um zu retten.

Er verzichtet auf Selbstschutz – um zu vergeben.

Er verzichtet auf Durchsetzung – um zu heilen.

Sein Werk ist unermesslich groß, weil seine Liebe unermesslich groß ist.

Deshalb widerspricht jede Form von christlicher Selbstbeschränkung, die Angst erzeugt, nicht seinem Wesen.

Trotzdem wichtig:
Gott ist gerecht. Die Sehnsucht aller Menschen nach Gerechtigkeit wird gestillt werden. Alle Menschen werden gerichtet. Die Menschen haben (auch nach dem Tod) die Möglichkeit, einsichtig und demütig Reue zu zeigen. Der Richter wird aber derselbe Jesus sein, der am Kreuz rief: "Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun".


Die Einladung Jesu
Jesus ruft uns nicht in eine enge, ängstliche Selbstbeschränkung.
Er ruft uns in eine weise, liebevolle, befreiende Selbstbegrenzung.

Aus Liebe. Aus Dankbarkeit. Aus Mitgefühl. Als Antwort.